Tierversuche

EU-Chemikalienverordnung REACH tritt in Kraft

Rückschritt für den Tierschutz

Seit 2003 berät die Europäische Kommission über eine europaweite Neuordnung der Chemikalienpolitik. Am 1. Juni 2007 tritt als Resultat die für alle Mitgliedsstaaten bindende Chemikalienverordnung REACH in Kraft das größte umweltpolitische Projekt der EU in den letzten 20 Jahren. REACH regelt die Registrierung, Evaluierung und Autorisierung von Chemikalien in der Europäischen Union. Produktion, Anwendung und Import von Chemikalien in Europa sollen somit transparent und sicher werden. Das bedeutet auch eine grundlegende Neuregelung des deutschen Chemikalienrechts. Die Neuordnung hat dabei den Schutz des Menschen und der Umwelt in Zusammenhang mit Chemikalien im Blick. In diesem Zusammenhang werden vor allem Chemikalien, die bereits vor 1980 auf dem Markt waren, unter die Lupe genommen. Für neue Stoffe gelten schon länger engere Richtlinien.

Welche Lösungsmöglichkeiten gibt es?

Eine Lösungsmöglichkeit wäre, auf die Neuentwicklung von Schönheits- und Körperpflegemittel weitgehend zu verzichten und lieber auf bewährte Produkte zurückzugreifen. Einige wenige Firmen tun dies bereits.

Doch auch für Unternehmen, die auf neue Kosmetikprodukte setzen, gäbe es eine Alternative. Für alle der oben genannten gängigen Tierversuche existieren bereits Testverfahren, die mit schmerzfreier Materie arbeiten - so genannte In-vitro-Methoden. Die Verwendung solcher Reagenzglastests ist nicht nur ethisch unbedenklich. Ihre Ergebnisse sind auch zuverlässiger und aussagekräftiger. Zudem sind die Tests schneller und billiger als die herkömmlichen Tierexperimente. Damit sind diese modernen Systeme dem Tierversuch in allen Punkten überlegen.

Was können Verbraucherinnen und Verbraucher tun?

Um dem Dilemma, dass es streng genommen keine "tierversuchsfreien" Kosmetika gibt, aus dem Weg zu gehen, kann eine zeitliche Grenze gesetzt werden, nach der die verwendeten Rohstoffe nicht im Tierversuch getestet worden sind. In der ~ Positiv-Liste ~ des Deutschen Tierschutzbundes sind solche Firmen aufgeführt, die rechtsverbindlich erklären, a) keine Tierversuche für die Entwicklung und Herstellung der Endprodukte durchzuführen und b) keine Rohstoffe zu verarbeiten, die nach dem 01.01.1979 im Tierversuch getestet wurden.

Wenn Sie auf die Kosmetikprodukte aus dieser Liste zurück-greifen, tun Sie nicht nur den Tieren einen Gefallen, sondern auch sich selbst. Die verwendeten Inhaltsstoffe sind allesamt seit Jahrzehnten auf dem Markt, d. h. mögliche Verwendung solcher Mittel ist also nicht nur tierfreundlich, sondern auch gesundheitlich unbedenklich. Durch die Unterstützung der in dieser Liste aufgeführten Firmen, können Sie dazu beitragen, der Tierqual für Lippenstift und Badezusatz ein Ende zu bereiten.

Beispiele für In-vitro-Tests im Bereich der Verträglichkeitsprüfungen von Kosmetika

Verträglichkeitsprüfungen von Kosmetika:

> Akute Giftigkeit ( Toxizität )
Mit Hilfe von menschlichen oder anderen Säuger-Zellkulturen lässt sich die Giftigkeit von kosmetischen und anderen chemi-schen Produkten untersuchen. Die Zellen reagieren sehr empfindlich und sterben bei Zugabe von giftigen Stoffen ab.

> Hautreizungstest
Die Substanz wird an isolierter menschlicher Haut oder Zellkulturen menschlicher Hautzellen überprüft. Verschiedene Testsysteme sind im Handel erhältlich.

> Augen- / Schleimhautreizung ( Draize-Test )
Beim HET-CAM Test wird die direkt unter der Schale eines bebrüteten Hühnereis liegende Haut, die Venen und Arterien, aber keine Nerven enthält, verwendet. Die zu testende Substanz wird auf die Haut geträufelt und die Reaktion beobachtet.

> Schädigung des Erbgutes ( Mutagentitätstest )
Beim Ames-Test ( Mutationstest mit Bakterien ) macht man sich die Tatsache zu nutze, dass das Erbgut aller Lebewesen im Prinzip gleich aufgebaut ist. Erbgutveränderungen lassen sich auch in permanenten ( unsterblichen ) Zellkulturen von Säugetieren überprüfen.

> Schädigende Wirkung durch Sonnenlicht ( Phototoxizität )
Der 3T3-Neutralrot-Test beruht auf dem Prinzip, dass Zellen einer bestimmten permanenten Mäusezelllinie, nach Zugabe einer schädigenden Substanz und UV-Licht Bestrahlung, nicht mehr in der Lage sind, einen roten Farbstoff aufzunehmen.

> Hautabsorptionstest
Die Überprüfung kann auch an menschlichen Hautproben stattfinden.

Wie sieht die rechtliche Situation aus?

Ein beliebtes Argument, mit dem die kosmetische Industrie gern die Durchführung von Tierversuchen verteidigt, sind die angeb-lichen gesetzlichen Vorlagen, nach denen Tiertests vorgeschrieben seien. Dies ist nicht der Fall. In Deutschland gibt es keine gesetzliche Bestimmung, nach der Tierversuche zwingend vorgeschrieben sind. Einzig die Unbedenklichkeit der Produkte, und damit die Sicherheit der Verbraucher, muss gewährleistet sein. Auf welche Weise diese Sicherstellung vorgenommen wird, bleibt den Firmen überlassen.

Schon 1986 wurden mit Inkrafttreten des damals neuen Tierschutzgesetzes Tierversuche für dekorative Kosmetika verboten. Diese Vorschrift war jedoch gänzlich ungeeignet, Tiertests für die Entwicklung neuer Produkte zu verhindern. Zum einen fiel die gesamte Palette der pflegenden Kosmetika nicht darunter und zum anderen war die Abgrenzung zwischen dekorativen und pflegenden Mitteln äußerst schwierig. Die Hersteller deklarierten selbst Lidschatten und Lippenstift als pflegend und konnten so das Verbot leicht umgehen.

Seit 1998 sind laut Tierschutzgesetz Tierversuche für die Entwicklung sowohl der dekorativen als auch der pflegenden Kos-metikprodukte und sowohl für ihre Rohstoffe als auch die Endprodukte, untersagt, solange sie nicht unter das Chemikaliengesetz fallen. Ausnahmen sind erlaubt. Doch auch heute wird es der Industrie durch eine Gesetzeslücke leicht gemacht, Tierversuche trotz des Verbotes durchzuführen. Das Verbot gilt nur für Rohstoffe, die ausschließlich für Kosmetika verwendet werden. Da dies bei den wenigsten Inhaltsstoffen der Fall ist, können die Substanzen nach den Vorgaben des Chemiekaliengesetzes im Tierversuch geprüft werden.

Seit 1993 wird versucht, auf Europaebene eine gesetzliche Regelung zu finden. Doch das längst überfällige Verbot der Kosmetikversuche und die Einfuhr tierversuchsgetesteter Kosmetika wird wieder und wieder hinausgeschoben oder verwässert.

Mehr zum aktuellen Stand der europäischen Gesetzgebung finden Sie unter www.tierrechte.de, Themen und Kosmetik.

Innerhalb der nächsten elf Jahre muss die chemische Industrie ca. 30.000 Stoffe auf ihre Verträglichkeit hin überprüfen und bei der Chemikalienagentur in Helsinki registrieren. Nichtvertrauliche Informationen über gefährliche Substanzen sollen dem Verbraucher öffentlich zugänglich gemacht werden.

"Die EU schreibt zwar vor, zu der anstehenden Überprüfung der Chemikalien auch alternative, sprich tierversuchsfreie, Methoden wie zum Beispiel das Zellkulturverfahren, heranzuziehen. Angesichts der hohen Anzahl der zu testenden Stoffe liegt jedoch die Vermutung mehr als nah, dass die EU-Mitgliedsstaaten Mittel und Wege finden werden, die Stoffe auch weiterhin an Tieren zu testen. Eine Kontrolle ist unmöglich. , erklärt Andrea Thümmel, Pressesprecherin bei TASSO e.V. Schätzungen gehen von Versuchen an bis zu 45 Millionen Tieren in den nächsten elf Jahren aus.

Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) schreibt REACH vor, dass für Chemikalien, die in einer Menge von über einer Tonne hergestellt werden und auf ihre Giftigkeit für die Fortpflanzung untersucht werden, ein 2-Generationentest an Ratten durchgeführt werden muss. Das allein bedeutet für jeden Stoff Versuche an 3.000 Tieren! "REACH mag den richtigen Ansatz und ehrenwerte Ziele haben. Doch für die Umsetzung werden Millionen von Tieren leiden müssen. Angesichts der heute bestehenden Test Alternativen ist das ein Armutszeugnis der Verantwortlichen. , so Andrea Thümmel weiter.

45 Tage um Tiere zu retten!

Die 45-Tage-Kommentierungsphase ist eine der wichtigsten Forderungen der Tierschutzseite, die in REACH aufgenommen wurde. Die Firmen dürfen bei Substanzen, die in Mengen von mehr als 100 t pro Jahr hergestellt werden, Tierversuche nicht einfach durchführen, sondern sie müssen Testvorschläge bei der Chemikalienbehörde ECHA in Helsinki, die für die Durchführung von REACH zuständig ist, einreichen. Die ECHA stellt diese Anträge 45 Tage lang in stark verkürzter Form auf ihre Website.

Experten der Tierversuchsgegnerverbände haben so die Möglichkeit, innerhalb dieser 45 Tage zu überprüfen, ob die geforderten Daten nicht schon vorhanden sind oder ob es andere Gründe für eine Nichtdurchführung gibt.

Kosmetik und Tierversuche

Die Palette der für Kosmetik durchgeführten Verträglichkeitsprüfungen umfasst gut ein Dutzend, durchweg äußerst grausamer und schmerzhafter Tierversuche, wie z. B.

> Akute Giftigkeit ( Toxizität )
Ratten oder Mäuse erhalten die Substanz per Magensonde eingegeben. Je nach Art und Menge des verabreichten Stoffes winden sich die Tiere stundenlang in Krämpfen, sie leiden an Durchfall, Fieber, Schüttelfrost oder Lähmungen.

> Chronische Giftigkeit ( Toxizität )
Nagetiere erhalten die Prüfsubstanz in einer geringen Dosis über mehrere Wochen verabreicht.

> Hautreizungstest
Die Prüfsubstanz wird Kaninchen auf die geschorene Haut aufgetragen. Wirkt die Substanz hautreizend, entstehen schmerzhafte Entzündungen.

> Augen- / Schleimhautreizung ( Draize-Test )
Die Testsubstanz wird Kaninchen in die Augen geträufelt. Anschließend werden die Schäden beobachtet: Je nach Art und Dosierung des Stoffes kommt es zu schmerzhaften Entzündungen und schweren Verätzungen des Auges.

> Hautallergietest
Meerschweinchen wird die Prüfsubstanz in die Haut gespritzt, um das Immunsystem der Tiere zu stimulieren. Löst die Testsubstanz bei nochmaligem Kontakt allergische Reaktionen aus, so kommt es zu schmerzhaften Hautentzündungen.

> Schädigende Wirkung durch Sonnenlicht ( Phototoxizität )
Die Prüfung wird an Ratten oder Meerschweinchen durchgeführt und ähnelt sehr dem Hautallergietest. Der Stoff wird in die Haut gespritzt. Bei der anschließenden Bestrahlung mit UV A-Licht werden die Tiere stundenlang in enge Plastikröhren gesteckt, in denen sie sich nicht bewegen können.

> Hautabsorptionstest
Die Testsubstanz wird bei Ratten auf die Haut aufgetragen. Die Tiere werden isoliert in so genannten Stoffwechselkäfigen gehalten. Harn-, Kot- und evtl. auch Blutproben der Tiere werden auf Vorhandensein der Testsubstanz untersucht.

>Frucht- / oder keimschädigende Wirkung ( Teratogenität )
Die Substanz wird trächtigen Ratten oder Kaninchen verabreicht. Die Tiere werden zu verschiedenen Zeitpunkten der Trächtigkeit getötet, um zu beurteilen, ob der Stoff das Muttertier schädigt und/oder die normale Entwicklung der Früchte beeinflusst. Bei teratogenen Substanzen kommt es zu Mißbildungen oder Totgeburten.

> Krebsauslösende Eigenschaften ( Kanzerogenität )
Die Prüfsubstanz wird Ratten oder Mäusen verabreicht. Es wird untersucht, ob die Tiere Tumore entwickeln.

Soweit der Artikel von Ärzte gegen Tierversuche

Ich habe nicht den gesamten Inhalt übernommen. Für den vollständigen Bericht suchen Sie bitte die Website unter folgendem Link auf:
http://aerzte-gegen-tierversuche.tierrechte.de.
Dort navigieren Sie bitte zu der Rubrik "Kosmetik und Tierversuche".

   

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